Verantwortung
Seit der Unabhängigkeit Perus sind nunmehr über 200 Jahre vergangen. Dennoch – und dies ist im globalen Norden nicht immer präsent – wirken koloniale Strukturen noch heute fort. Sie prägen maßgeblich die Sicht und die Vorstellung des Globalen Nordens vom Globalen Süden [1]. Ungleichheit und Ungerechtigkeit wird noch heute durch moderne Formen der Ausbeutung – bspw. im Bereich der Rohstoffe – aufrechterhalten. Auch im entwicklungspolitischen Kontext, der eigentlich das Gegenteil bewirken sollte, sind diese Gedanken tief verwurzelt.
Allein das Wort der „Entwicklung“ prägt den Bereich maßgeblich. Auch wenn abgeschwächte Versionen des Wortes wie in „entwicklungspolitische Zusammenarbeit“ eine vermeintliche Partnerschaft auf Augenhöhe suggerieren, so kann die grundsätzliche Vorstellung vom „ursprünglichen und naturnahen“ Globalen Süden, der Zugang zur „modernen und fortschrittlichen“ Lebensweise des Globalen Nordens bekommen soll, nie ganz ausgeklammert werden.
Trotz aller gut gemeinten Versuche, die Wert auf Partizipation legen, ist es in den bestehenden Strukturen schwer eine wirklich gleichberechtigte Zusammenarbeit zu etablieren, die nicht einem geschichtlich begründeten, kolonialen Überlegenheitsgefühl des globalen Nordens über den globalen Süden entspringt.
Entwicklungspolitisches Engagement – dessen Ziel eine gemeinsame, gleichberechtigte Welt ist – wird denknotwendig immer an seine Grenzen stoßen, da der Geldfluss von Nord nach Süd einerseits hilft das Ziel einer gleichberechtigten Welt zu erreichen und gleichzeitig Abhängigkeitsstrukturen aufrechterhält.
[1] Mit dem Begriff Globaler Süden wird eine im globalen System benachteiligte gesellschaftliche, politische und ökonomische Position beschrieben. Globaler Norden hingegen bestimmt eine mit Vorteilen bedachte Position.
